Die Grenzen der Mark Brandenburg - damals und heute

Die Geschichte der Mark Brandenburg

Die Geschichte der Mark Brandenburg – vom sumpfigen Grenzland zum Kernland einer europäischen Großmacht zum modernen Bundesland.

Inhalt

Einleitung: Vom Sumpf zur Weltbühne
Die Anfänge: Das Land der Heveller und Sprewanen
Die Stunde Albrechts des Bären (1157)
Die Ostsiedlung: Wie Holländer und Fläminger das Land formten
Städteboom an der Flusskreuzung: Die Geburt von Berlin und Cölln
Das Aussterben der Askanier und das Jahrhundert des Chaos (1320–1415)
Die Rettung durch die Hohenzollern: Die „Faule Grete“ räumt auf (1415)
Glaube und Erneuerung: Die Reformation in der Mark (1539)
Katastrophe im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648)
Der Große Kurfürst: Auferstehung aus Ruinen
Der Königskrone entgegen (1701)
Vom Kernland Preußens zum Bundesland der Gegenwart
Das Erbe der Mark: Kultur und Landschaft heute

Einleitung: Vom Sumpf zur Weltbühne
Nebelschwaden hängen tief über dem breiten Flusstal der Havel. Der Geruch von feuchtem Torf, frischem Holzrauch und verwesendem Schilf liegt in der kühlen Morgenluft. Wer heute durch das Havelland, die Nuthe-Urstromtäler oder die ausgedehnten Kiefernwälder der Schorfheide wandert, blickt auf eine ruhige, weite Kulturlandschaft. Sandige Wege schneiden durch sanfte Hügel, dunkle Seen spiegeln den blauen Nordosthimmel, und irgendwo am Horizont steigt der Dunst von feuchten Wiesen auf.

Doch dieser Landstrich war nicht immer ein Ort friedlicher Beschaulichkeit. Vor vielen Jahrhunderten bildete die Region das unruhige, dicht bewaldete Grenzland an der östlichen Peripherie des Heiligen Römischen Reiches. Es war eine unwegsame Wildnis aus Mooren, Erlenbrüchen, dunklen Eichenwäldern und windgepeitschten Sanddünen.

Aus diesem schlammigen Zwischenreich formten Fürsten, Mönche, Kolonisten und Handwerker über Jahrhunderte hinweg ein straff organisiertes Staatswesen. Die Geschichte der Mark Brandenburg erzählt vom zähen Ringen des Menschen mit einer kargen Natur. Sie berichtet von Raubrittern und Glaubensflüchtlingen, von verheerenden Seuchen und visionären Herrschern. Am Ende stand ein Aufstieg, der die europäische Mächtekarte für immer verändern sollte: Die Verwandlung eines verachteten Streifens Sandlandes in das Herzstück der Großmacht Preußen.

Die Anfänge: Das Land der Heveller und Sprewanen
Im frühen Mittelalter endete die westlich geprägte Welt an den Ufern von Elbe und Saale. Östlich dieser Ströme erstreckte sich das Siedlungsgebiet slawischer Stämme. Im Raum der mittleren Havel siedelten die Heveller, während weiter östlich, an den Flussläufen von Spree und Dahme, die Sprewanen ihre Siedlungsräume hatten.

Diese slawischen Gemeinschaften lebten in enger Abstimmung mit den Naturgewalten. Sie bauten ihre Burgwälle aus massiven Eichenstämmen, Erde und Feldsteinen auf Inseln oder leicht zu verteidigenden Landzungen in den Flussniederungen. Fischer stakten mit ihren Einbäumen durch das verzweigte Netz der Wasserläufe. In kleinen Rodungsinseln bauten die Menschen Getreide an, hielten Vieh und sammelten Honig wilder Bienen.

Der Boden war nicht reich. Die Eiszeit hatte gewaltige Sandmassen hinterlassen, die der Wind zu kargen Dünen aufwarf. Weite Teile des Landes standen monatelang unter Wasser. Wer hier überleben wollte, musste sich an die wechselnden Wasserstände der Fünf-Flüsse-Landschaft anpassen.

Schon im 10. Jahrhundert versuchten deutsche Könige wie Heinrich I. und Otto I., ihre Macht nach Osten auszuweiten. Sie gründeten die Bistümer Brandenburg und Havelberg, um die slawische Bevölkerung zu unterwerfen und zu christianisieren. Doch im großen Slawenaufstand von 983 schüttelten die einheimischen Stämme die Fremdherrschaft wieder ab. Für fast zwei Jahrhunderte blieb das Gebiet östlich der Elbe ein weitgehend eigenständiger, heidnischer Raum. Die Bischöfe von Brandenburg saßen im exilgeschützten Magdeburg und konnten ihre Diözesen nur aus der Ferne verwalten.

Die Stunde Albrechts des Bären (1157)
Im 12. Jahrhundert änderte sich das Kräfteverhältnis nachhaltig. Der askanische Graf Albrecht von Ballenstedt, aufgrund seiner Tatkraft und Strenge „der Bär“ genannt, betrieb eine weitsichtige Ostpolitik. Albrecht suchte nicht nur die militärische Konfrontation, sondern nutzte geschickt Bündnisse und diplomatische Absprachen.

Der letzte christliche Fürst der Heveller, Pribislaw-Heinrich, besaß seinen Hauptsitz auf der Burg Brandenburg an der Havel. Da Pribislaw-Heinrich ohne männlichen Erben war, schloss er einen Erbvertrag mit Albrecht dem Bären. Er vermachte dem Askanier nach seinem Tod das Land der Heveller. Als Pribislaw-Heinrich im Jahr 1150 starb, übernahm Albrecht absprachegemäß die Burg.

Doch die Machtübernahme verlief nicht ohne Widerstand. Jaxa von Köpenick, ein mächtiger slawischer Fürst aus dem Stamm der Sprewanen und Verwandter des verstorbenen Fürsten, erhob ebenfalls Anspruch auf das Erbe. Im Winter 1156 nutzte Jaxa eine Gelegenheit, besetzte die Burg Brandenburg und vertrieb die askanische Besatzung.

Es folgte ein monatelanger, harter Kampf um die Schlüsselstellung an der Havel. Albrecht der Bär sammelte seine Truppen, belagerte die Festung und eroberte die Burg schließlich am 11. Juni 1157 im Sturm. Dieser Tag markiert die historische Geburtsstunde der Mark Brandenburg.

In einer offiziellen Urkunde vom 3. Oktober 1157 nannte sich Albrecht zum ersten Mal „Markgraf in Brandenburg“ (Adelbertus Dei gratia marchio in Brandchaburch). Ein neuer Staat war auf den Fundamenten der alten Slawenburg geboren. Das Wappentier der Askanier, der rote Adler auf weißem Grund, sollte fortan das Symbol dieses Landes bleiben.

Die Ostsiedlung: Wie Holländer und Fläminger das Land formten
Die Eroberung der Burg Brandenburg war nur der erste Schritt. Das Land war nach den langen Kämpfen entvölkert, die Erträge der Landwirtschaft blieben gering. Ein dauerhaftes Staatswesen ließ sich auf feuchten Wiesen und dünn besiedelten Sandböden nicht errichten. Albrecht der Bär und seine Nachfolger erkannten, dass sie Arbeitskräfte, Wissen und Kapital benötigten.

Die askanischen Markgrafen riefen Siedler aus dem Rheinland, aus Westfalen, Flandern und Holland herbei. Die Werber versprachen den Bauern im Westen eigenes Land, persönliche Freiheit und mehrjährige Steuerbefreiungen. Ganze Dorfgemeinschaften machten sich mit ihren Planwagen, Hunden, Rindern und Arbeitsgeräten auf den langen Weg nach Osten.

Die Einwanderer brachten entscheidende technologische Innovationen mit. Die holländischen und flämischen Siedler waren Experten im Wasserbau. Sie bauten Deiche entlang der Elbe und Havel, zogen Entwässerungsgräben durch die feuchten Moorniederungen und machten bisher unnutzbares Sumpfland pflügbar. Aus dieser Zeit stammt auch der Name des Höhenzuges „Fläming“ südlich von Berlin, der direkt auf die Einwanderer aus Flandern verweist.

Auch die Landwirtschaft veränderte sich grundlegend. Die Siedler brachten den schweren Radpflug mit eisernem Schar mit. Im Gegensatz zum einfachen slawischen Hakenpflug konnte dieses Gerät den dichten märkischen Boden tief wenden und Belüftung wie Nährstoffgehalt verbessern. Die Dreifelderwirtschaft mit dem Wechsel von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache setzte sich durch.

Überall im Land rodeten die Menschen mit Äxten und Feuer den Urwald. Es entstanden hunderte neuer Dörfer mit der charakteristischen Form des Anger- oder Gassendorfes. In der Mitte des Dorfes errichteten die Siedler aus den auf den Feldern zusammengelesenen Eiszeit-Findlingen solide Feldsteinkirchen. Diese dicken Steinmauern dienten den Dorfbewohnern bei Überfällen gleichzeitig als Schutzraum.

Städteboom an der Flusskreuzung: Die Geburt von Berlin und Cölln
Neben den Dörfern wuchsen rasch geplante Handelsstädte heran. Die Markgrafen erkannten die strategische Bedeutung der alten Handelswege, die das Land durchzogen. Wer die Flussübergänge kontrollierte, konnte Zölle erheben und den Handel vor Räubern schützen.

An einer schmalen Stelle der Spree, wo eine natürliche Furt die Überquerung des Flusses erleichterte, entstanden zu Beginn des 13. Jahrhunderts zwei Kaufmannssiedlungen: Berlin auf der östlichen und Cölln auf der westlichen Spreeseite. Cölln wurde im Jahr 1237 erstmals urkundlich erwähnt, Berlin folgte im Jahr 1244.

Die Kaufmannsfamilien bauten hölzerne Bohnenbuden, Lagerräume und Anlegestellen. Flusskähne brachten Holz, Getreide, Felle und Wolle spreeabwärts in Richtung Elbe und weiter zur Nordsee. Im Gegenzug gelangten Tuch, Salz, Gewürze und Heringe in die junge Doppelstadt.

Die askanischen Markgrafen förderten die Städte mit Privilegien. Sie verliehen das Stadtrecht, das Münzrecht und das Marktrecht. In den Städten entwickelte sich eine selbstbewusste Bürgerschaft. Gilden und Zünfte organisierten das Handwerk, während der Magistrat die Verwaltung übernahm. Neben Berlin und Cölln blühten ältere Zentren wie Brandenburg an der Havel, Spandau, Stendal und Frankfurt an der Oder auf. Die Mark erweiterte ihr Territorium Schritt für Schritt nach Osten bis über die Oder hinaus in die spätere Neumark.

Das Aussterben der Askanier und das Jahrhundert des Chaos (1320–1415)
Die Blütezeit der Askanier fand im Jahr 1320 ein abruptes Ende. Mit dem Tod des jugendlichen Markgrafen Heinrich II. starb die märkische Linie des Geschlechts im Mannesstamm aus. Die Mark Brandenburg wurde zum Spielball der großen europäischen Dynastien.

Kaiser Ludwig IV. aus dem Hause Wittelsbach zog die Mark als heimgefallenes Reichslehen ein und übertrug sie seinem noch minderjährigen Sohn Ludwig dem Älteren. Später übernahmen die Luxemburger die Herrschaft im Land. Weder die Wittelsbacher noch die Luxemburger entwickelten eine echte Bindung zur Region. Sie betrachteten Brandenburg in erster Linie als Finanzquelle, um ihre eigene Hausmacht im Reich oder in Böhmen zu finanzieren. Das Land wurde verpfändet, zerstückelt und durch hohe Steuern ausgepresst.

Inmitten dieser Unsicherheit gelang dem Markgrafen jedoch ein dauerhafter politischer Aufstieg im Heiligen Römischen Reich. Im Jahr 1356 erließ Kaiser Karl IV. die Goldene Bulle, das wichtigste Grundgesetz des Reiches. Darin wurde der Markgraf von Brandenburg offiziell als einer der sieben Kurfürsten verankert. Er besaß damit das Recht, den deutschen König mitzuwählen.

Doch der glänzende Titel des Kurfürsten schützte das Land nicht vor dem inneren Verfall. Während die Herrscher im fernen Prag oder München saßen, brach im Inneren der Mark die staatliche Ordnung zusammen. Der lokale Landadel verweigerte den kurfürstlichen Statthaltern den Gehorsam. Mächtige Adelsfamilien wie die Quitzows, Rochows oder Schulenburgs bauten ihre Burgen zu Räubernestem aus. Sie überfielen Kaufmannszüge, erpressten Städte, entführten wohlhabende Bürger für Lösegeld und überzogen das Land mit privaten Fehden. Die Städte schlossen Notbündnisse, um sich selbst zu verteidigen, doch die Anarchie regierte fast ein Jahrhundert lang zwischen Elbe und Oder.

Die Rettung durch die Hohenzollern: Die „Faule Grete“ räumt auf (1415)
Der deutsche König Sigismund sah sich gezwungen, dem Chaos im Nordosten ein Ende zu bereiten. Er brauchte einen durchsetzungsstarken Mann, der die widerspenstigen märkischen Stände zur Räson bringen konnte. Im Jahr 1411 ernannte er Friedrich IV., den Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Hohenzollern, zum Obersten Verwalter der Mark Brandenburg. Auf dem Konzil von Konstanz im Jahr 1415 belehnte Sigismund ihn schließlich offiziell mit der Kurwürde. Als Kurfürst Friedrich I. trat der Hohenzollern die Herrschaft an.

Die Ankunft des Süddeutschen stieß auf den erbitterten Widerstand des märkischen Adels. Die adligen Herren verspotteten Friedrich als „Nürnberger Tand“ und glaubten, ihn ebenso leicht verjagen zu können wie seine Vorgänger.

Doch Friedrich stützte sich auf ein wirksames Mittel: moderne Kriegstechnik. Er zog mit schwerer Artillerie vor die uneinnehmbar geltenden Burgen der Raubritter. Darunter befand sich eine gewaltige Steinbüchse, die im Volksmund den Namen „Faule Grete“ erhielt. Das riesige Bronzegeschütz feuerte Zentner schwere Steinzugkugeln ab, die die dicken Mauern der adligen Festungen wie Potzlow oder Friesack innerhalb weniger Tage in Schutt und Asche legten.

Nachdem die wichtigsten Adelsburgen geschleift waren, fügte sich der märkische Adel der neuen Autorität. Friedrich I. und sein Sohn Friedrich II., genannt „Eisenzahn“, stellten die landesherrliche Ordnung wieder her. Sie brachen auch den Widerstand der selbstbewussten Städte. Nach einem Aufstand der Berliner Bürgerschaft entzog Friedrich II. den Doppelstädten Berlin-Cölln ihre alten Privilegien und erzwang den Bau einer kurfürstlichen Residenz an der Spree. Berlin wurde endgültig zum festen Herrschaftszentrum der Hohenzollern.

Glaube und Erneuerung: Die Reformation in der Mark (1539)
Im 16. Jahrhundert erfasste die geistige Welle der Reformation auch das Land an der Havel. Martin Luthers Lehren verbreiteten sich rasch in den Städten und Dörfern der Mark. Bürger und Bauern verlangten nach Gottesdiensten in deutscher Sprache und kritisierten den Ablasshandel.

Kurfürst Joachim II. verhielt sich zunächst zögerlich. Er fürchtete politische Konflikte mit dem katholischen Kaiser im Reich. Doch der Druck der Bevölkerung und der märkischen Landstände stieg unaufhaltsam. Zudem war die kurfürstliche Kasse leer, und die Säkularisierung der reichen Kirchen- und Klostergüter bot die Chance auf erhebliche Einnahmen.

Am 1. November 1539 vollzog Joachim II. im Dom zu Brandenburg an der Havel den entscheidenden Schritt. Er empfing das Abendmahl erstmals in beiderlei Gestalt, also mit Brot und Wein, nach lutherischem Ritus. Damit trat die Mark Brandenburg offiziell zum protestantischen Glauben über.

Die Klosteranlagen von Lehnin, Zinna und Chorin verloren in der Folge ihre religiöse Funktion. Ihre ausgedehnten Ländereien, Wälder und Fischereirechte fielen an den Kurfürsten, der sie in domäniale Ämter umwandelte. Die backsteingotischen Klosterbauten blieben teilweise als ruhige Ruinen in den märkischen Wäldern stehen, während die Reformation die Bildungslandschaft und das Geistesleben des Landes nachhaltig umgestaltete.

Katastrophe im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648)
Die schwerste Belastungsprobe ihrer Geschichte erlebte die Mark Brandenburg im 17. Jahrhundert. Im Jahr 1618 brach im Heiligen Römischen Reich der Dreißigjährige Krieg aus. Was als religiöser Konflikt begann, entwickelte sich rasch zu einem verheerenden europäischen Machtkampf.

Brandenburg geriet unter Kurfürst Georg Wilhelm in eine ausweglose Lage. Das Land besaß keine nennenswerte eigene Armee und verfügte über keinerlei natürliche Verteidigungsgrenzen. Die Mark wurde zum Spielball und logistischen Durchmarschgebiet für die schwedischen, kaiserlichen und ligistischen Truppen.

Gleichgültig, welche Armee das Land durchzog, die Folgen für die Bevölkerung waren katastrophal. Soldaten erpressten hohe Kontributionen, raubten das Vieh von den Höfen und brannten ganze Dörfer nieder. Die Felder blieben unbestellt, Hungersnöte breiteten sich aus. Im Gefolge der Truppen kam die Pest in die Mark.

Verlassene Dörfer wurden von Gestrüpp und Wald überwuchert, Wolfsrudel streiften wieder durch die ausgedehnten Sandlandschaften. In vielen Landstrichen zwischen Prignitz und Uckerath starben mehr als die Hälfte aller Einwohner. Städte wie Prenzlau, Tangerhütte oder Brandenburg verloren Großteile ihrer Bürgerschaft. Auch die Doppelstadt Berlin-Cölln büßte die Hälfte ihrer Bevölkerung ein. Ganze Straßenzüge standen leer und verfielen. Am Ende des Krieges im Jahr 1648 war Brandenburg ein verwüstetes, verarmtes und tief traumatisiertes Land.

Der Große Kurfürst: Auferstehung aus Ruinen
In dieser Stunde des tiefsten Verfalls übernahm im Jahr 1640 ein junger Mann die Herrschaft: Friedrich Wilhelm, der spätere „Große Kurfürst“. Er zog radikale Konsequenzen aus der Katastrophe des Krieges. Niemals wieder sollte die Mark Brandenburg schutzlos fremden Armeen ausgeliefert sein.

Friedrich Wilhelm baute gegen den Widerstand der Landstände ein stehendes Heer auf – eine dauerhafte, hochdisziplinierte Berufsarmee. Diese Truppe kostete viel Geld, das über eine neu geschaffene, zentralisierte Steuerverwaltung eingetrieben wurde. Der Markgraf schuf damit die Grundlagen des späteren preußischen Beamtentums.

Um die Ruinen des Landes wieder mit Leben zu füllen, setzte der Kurfürst auf eine gezielte Toleranz- und Einwanderungspolitik. Als der französische König Ludwig XIV. im Jahr 1685 das Edikt von Nantes aufhob und die protestantischen Hugenotten verfolgte, reagierte Friedrich Wilhelm prompt. Er erließ am 29. Oktober 1685 das Edikt von Potsdam.

Darin bot er den französischen Glaubensflüchtlingen eine neue Heimat in der Mark an. Er garantierte ihnen freie Religionsausübung, Steuerbefreiungen, das Bürgermarkt-Recht und Unterstützung beim Häuserbau. Rund 20.000 Hugenotten folgten dem Ruf. Sie brachten wertvolle Kenntnisse im Handwerk, im Manufakturwesen, in der Landwirtschaft und im Gartenbau mit. In Berlin stellten die Franzosen zeitweise ein Drittel der Gesamteinwohnerschaft. Neue Gewerbe wie die Seidenweberei, die Feinhandschuhmacherei und der erweiterte Gemüseanbau veränderten das wirtschaftliche Gesicht des Landes dauerhaft.

Zugleich erweiterte der Große Kurfürst den Machtbereich seiner Dynastie. Durch die Personalunion mit dem Herzogtum Preußen an der Ostsee sowie durch Zugewinne im Westen des Reiches wuchs der hohenzollernsche Staat zu einem weiträumigen Gebilde heran. Friedrich Wilhelm baute den Friedrich-Wilhelm-Kanal, der Spree und Oder verband, um den Binnenhandel zu stärken. Die Mark verwandelte sich von einem Trümmerfeld in eine aufstrebende Region im norddeutschen Raum.

Der Königskrone entgegen (1701)
Der Sohn des Großen Kurfürsten, Kurfürst Friedrich III., verfolgte ein klares Ziel: Er wollte die gestiegene reale Macht seines Staates durch einen königlichen Titel auf der europäischen Bühne sichtbar machen.

Im Heiligen Römischen Reich gab es jedoch ein ungeschriebenes Gesetz: Es durfte außer dem Kaiser und dem König von Böhmen keinen weiteren deutschen König geben. Doch das Herzogtum Preußen lag außerhalb der Reichsgrenzen. Dort herrschte der Kurfürst als souveräner Herzog ohne Lehnsherrn.

Nach langen verfassungsrechtlichen und diplomatischen Verhandlungen mit dem Kaiser erhielt Friedrich schließlich die Zustimmung zur Titelellipse. Im eisigen Winter des Jahres 1700 reiste der Kurfürst mit einem riesigen Hofstaat in Kutschen über hunderte Kilometer verschneiter Landstraßen von Berlin nach Königsberg.

Am 18. Januar 1701 krönte sich Friedrich III. in der Schlosskirche zu Königsberg selbst zum König Friedrich I. „in Preußen“ und setzte seiner Gemahlin Sophie Charlotte die Krone auf. Aus dem Kurfürstentum Brandenburg und seinen Nebenländern entstand das Königreich Preußen.

Obwohl der Name „Preußen“ von den östlichen Provinzen stammte, blieb das politische und kulturelle Herzstück des neuen Staates in der Mark Brandenburg. Berlin entwickelte sich zur prunkvollen königlichen Residenzstadt mit prächtigen Bauten, Akademien und breiten Boulevardstraßen. Schloss Sanssouci in Potsdam wurde im 18. Jahrhundert unter Friedrich dem Großen zum Sommersitz des Königshauses und zum Symbol für die preußische Aufklärung.

Vom Kernland Preußens zum Bundesland der Gegenwart
Mit der Entstehung des Königreichs Preußen veränderte sich die Rolle der Mark Brandenburg. Der Begriff „Mark“ wandelte sich im 19. Jahrhundert zur administrativen „Provinz Brandenburg“. Die Provinz bildete die geografische Klammer des preußischen Staates, aus dem nach den Einigungskriegen im Jahr 1871 das Deutsche Kaiserreich hervorging.

Im Zuge der Industrialisierung erlebte die Region eine zweite Umgestaltung. Die wachsende Weltmetropole Berlin saugte Rohstoffe, Baustoffe und Arbeitskräfte aus dem Umland ab. Riesige Ziegeleien entstanden an der Havel, etwa in Zehdenick, um Milliarden von Ziegelsteinen für die Berliner Mietskasernen zu brennen. Der Schwielowsee, der Werbellinsee und die Gewässer der Dahme wurden zu belebten Wasserstraßen für Lastkähne.

Das 20. Jahrhundert brachte katastrophale Umbrüche. Nach den Verheerungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs verlor Preußen seine Existenz. Im Jahr 1947 löste der Alliierte Kontrollrat den Staat Preußen formell auf. Die Mark Brandenburg wurde aufgeteilt: Die Gebiete östlich von Oder und Neiße fielen an Polen. Das verbliebene Gebiet wurde als Land Brandenburg Teil der Sowjetischen Besatzungszone und 1949 der DDR.

Im Jahr 1952 löste die Führung der DDR das Land Brandenburg auf und gliederte das Territorium in die drei Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus auf. Erst mit der friedlichen Revolution und der Deutschen Wiedervereinigung entstand am 3. Oktober 1990 das Bundesland Brandenburg in seinen heutigen Grenzen neu.

Das Erbe der Mark: Kultur und Landschaft heute
Wer heute durch Brandenburg reist, stößt auf Schritt und Tritt auf die Spuren dieser wechselvollen Geschichte. Die Landschaft hat ihren urwüchsigen, weiten Charakter in vielen Teilen bewahrt. Der Sandboden, von Theodor Fontane einst liebevoll als „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches“ tituliert, trägt heute wieder ausgedehnte Wälder und weite landwirtschaftliche Flächen.

Die backsteingotischen Kirchen, die trutzigen Feldsteinbauten auf den Dörfern und die barocken Schlossanlagen erzählen vom Gestaltungswillen früherer Generationen. Im Oderbruch zeigt sich das gewaltige Werk der Trockenlegung, das Friedrich der Große im 18. Jahrhundert vollenden ließ. Im Spreewald nutzen die Menschen bis heute die verzweigten Fließe für die Kahnfahrt, genau wie ihre slawischen Vorfahren vor tausend Jahren.

Brandenburg ist heute ein Bundesland der Gegensätze. Es verbindet die unberührte Stille der Naturparks im Uckermark– und Stechlinsee-Gebiet mit den hochmodernen Industrie- und Wissenschaftsstandorten rund um den Berliner Speckgürtel. Die Geschichte der Mark ist nicht verschwunden. Sie lebt in den Namen der Städte, den Formen der Dörfer und der spröden Schönheit einer Landschaft fort, die sich ihre Geschichte hart erarbeiten musste.

Die Grenzen der Mark Brandenburg - damals und heute
Die historische Mark Brandenburg bildete über Jahrhunderte den territorialen Kern, aus dem sich nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 das moderne Bundesland Brandenburg entwickelte. *KI-generiert
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