Die (lange) Geschichte: Potsdam
Inhalt
Die slawischen Wurzeln in der Flusslandschaft der Havel
Die Wandlung unter dem Großen Kurfürsten
Das preußische Arkadien unter Friedrich dem Großen
Industrie, Verwaltung und die preußische Provinz Brandenburg
Das 20. Jahrhundert: Zerstörung, Konferenz und Teilung
Rückkehr zur Landeshauptstadt und Welterbe
Geschichtsporträt Potsdam: Von der slawischen Siedlung zur märkischen Landeshauptstadt



Die slawischen Wurzeln in der Flusslandschaft der Havel
Kühles Flusswasser umspült das Reet an den Ufern der Havel. Wo heute prachtvolle Barockfassaden das Stadtbild prägen, erstreckte sich vor über tausend Jahren ein dichtes Mosaik aus Wiesen, Wäldern und Sumpflandschaften. Im Jahr 993 tauchte der Name Poztupimi erstmals in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. auf. Die slawische Bevölkerung nutzte die strategische Lage an den Havelseen, errichtete eine Burg und lebte von Fischfang sowie Viehzucht.
Mit dem Ausbau der Mark Brandenburg im Mittelalter wandelte sich die kleine Siedlung zu einem festen Flussübergang. Im 14. Jahrhundert erhielt der Ort das Stadtrecht. Dennoch blieb Potsdam lange Zeit ein bescheidenes Ackerbürgerstädtchen am Rande der märkischen Sandbüchse. Die Havel bildete dabei stets Lebensader und Schutzwall zugleich.
Die Wandlung unter dem Großen Kurfürsten
Der entscheidende Wendepunkt in der Stadtgeschichte datiert auf das 17. Jahrhundert. Kurfürst Friedrich Wilhelm erkannte das Potenzial der von Wasserläufen durchzogenen Landschaft. Er erklärte Potsdam im Jahr 1660 zu seiner zweiten Residenz neben Berlin. Damit begann der Aufstieg der Stadt zu einem Machtzentrum Norddeutschlands.
Mit dem Edikt von Potsdam im Jahr 1685 öffnete der Kurfürst die Mark Brandenburg für französische Hugenotten. Hunderte Glaubensflüchtlinge brachten neues Handwerk, Kultur und architektonisches Wissen in die Havelregion. Die Stadt wuchs rasch über ihre mittelalterlichen Grenzen hinaus. Neue Quartiere entstanden, Entwässerungskanäle durchzogen das Land und erste Parkanlagen wurden angelegt.
Das preußische Arkadien unter Friedrich dem Großen
Im 18. Jahrhundert prägte Friedrich II. das Bild der Stadt nachhaltig. Er suchte einen Ort der Zuflucht vor den Pflichten des Berliner Hofes. Auf einem Weinberg vor den Toren der Stadt ließ er ab 1745 das Schloss Sanssouci errichten. Der Sommerpalast im Stil des Rokoko wurde zum Symbol für das preußische Arkadien.
Neben der Sommerresidenz wandelte sich die Stadt zu einer Garnisonsstadt. Friedrich II. ließ die Innenstadt im Stil des Barock umbauen. Holländische Handwerker errichteten das Holländische Viertel, das bis heute mit seinen roten Backsteinbauten das Stadtbild prägt. Soldaten und Bürger lebten Tür an Tür in den charakteristischen Fachwerkhäusern. Der Duft von feuchter Erde, blühenden Terrassen und frischer Kabinettsmilch prägte die Sommerfeste im Park.
Industrie, Verwaltung und die preußische Provinz Brandenburg
Nach den Koalitionskriegen festigte Potsdam seine Stellung in der neu strukturierten preußischen Provinz Brandenburg. Die Stadt entwickelte sich zu einem bedeutenden Verwaltungszentrum. Neben den Militäreinheiten prägten nun Beamte, Gelehrte und Künstler das gesellschaftliche Leben.
Die industrielle Revolution erfasste auch die Havelregion. Eisenbahnlinien verbanden Potsdam ab 1838 mit Berlin. Auf den Seen fuhren die ersten Dampfschiffe. Dennoch bewahrte die Stadt ihren landschaftlichen Charakter. Architekten wie Karl Friedrich Schinkel und Gartenkünstler wie Peter Joseph Lenné gestalteten eine Kulturlandschaft, in der Architektur und Natur harmonisch miteinander verschmolzen. Schloss Babelsberg, das Neue Palais und Schloss Lindstedt sind Zeugnisse dieser Epoche.
Das 20. Jahrhundert: Zerstörung, Konferenz und Teilung
Das 20. Jahrhundert brachte tiefe Einschnitte in die Geschichte der Stadt. Der Zweite Weltkrieg hinterließ auch in Potsdam schwere Zerstörungen. Im April 1945 zerstörte ein Bombenangriff große Teile der historischen Altstadt und das Stadtschloss.
Im Sommer 1945 rückte Potsdam in den Blickpunkt der Weltpolitik. Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 trafen sich die Sieger mächte im Schloss Cecilienhof zur Potsdam-Konferenz. Winston Churchill, Harry S. Truman und Josef Stalin verhandelten hier über die Neuordnung Europas und die Zukunft Deutschlands. Das Potsdamer Abkommen besiegelte die Nachkriegsordnung.
Während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik lag Potsdam in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer. Die Glienicker Brücke wurde als Schauplatz für den Austausch von Agenten zwischen Ost und West weltweit bekannt. Viele historische Gebäude verfielen in dieser Zeit oder wurden, wie die Garnisonkirche, gesprengt.
Rückkehr zur Landeshauptstadt und Welterbe
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 schlug Potsdam ein neues Kapitel auf. Die Stadt wurde zur Landeshauptstadt des neu gegründeten Landes Brandenburg bestimmt. Gleichzeitig nahm die UNESCO die Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin in die Liste des Weltkulturerbes auf.
In den folgenden Jahrzehnten erlebte die Stadt einen historischen Wiederaufbau. Das Stadtschloss wurde als Sitz des Brandenburgischen Landtages neu errichtet. Der Alte Markt erhielt Stück für Stück sein barockes Erscheinungsbild zurück. Wissenschaftseinrichtungen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Hasso-Plattner-Institut siedelten sich an und machten die Stadt zu einem modernen Forschungsstandort.
Heute verbindet Potsdam die historische Tiefe der Mark Brandenburg mit den Aufgaben einer modernen Landeshauptstadt. Über 180.000 Menschen leben in der Stadt an der Havel, die ihre Geschichte in den Parks, Schlössern und Straßen lebendig hält.

