Fakten, Flair & Geschichte: Tangermünde
Inhalt
Namensgebung
Geschichtliches
Bezug zur historischen Mark Brandenburg
Aktuelle Einwohnerzahl sowie Zahlen & Fakten
Infrastruktur & Anreise
Arbeit, Familie & Alltag
Natur, Badeseen & Wanderwege
Sehenswertes & Ausflugsziele
Gastronomie-Empfehlungen
Jährliche Veranstaltungen & Feste
Söhne und Töchter des Ortes
Anekdoten und Geschichten
Mitbringsel und regionale Produkte
Kehrseiten & Nachteile
Weitere Besonderheiten
Am östlichen Ufer der Elbe schmiegt sich eine der am besten erhaltenen Mittelalterstädte Norddeutschlands in die Flusslandschaft. Tangermünde liegt im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt, etwa 100 Kilometer westlich von Berlin und rund 85 Kilometer nordwestlich von Potsdam. Trotz der heutigen Zugehörigkeit zu Sachsen-Anhalt ist die Stadt historisch aufs Engste mit der Entwicklung der Mark Brandenburg verknüpft.

Namensgebung
Der Name Tangermünde erklärt sich aus der geografischen Lage der Stadt. An dieser Stelle mündet das kleine Flussläufchen Tanger in die breite Elbe. Die frühe Form Tangermulini beschrieb schlicht die Mündung des Tangers. Aus dieser ortsbezogenen Bezeichnung entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der heutige Stadtname.
Geschichtliches
Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt findet sich im Jahr 1009 in der berühmten Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg. Tangermünde behauptete über viele Jahrhunderte hinweg eine herausragende Stellung als selbstständige Handels- und Festungsstadt. Im 13. Jahrhundert erhielt der Ort das Stadtrecht. Im Jahr 1368 trat Tangermünde der Hanse bei und entwickelte sich durch den Elbhandel zu beträchtlichem Wohlstand. Ein historischer Höhepunkt folgte 1373, als Kaiser Karl IV. die Burg Tangermünde zu seiner Nebenresidenz wählte und von hier aus zeitweise die Mark Brandenburg regierte.
Bezug zur historischen Mark Brandenburg
Tangermünde gilt als eine der Wiegen der Mark Brandenburg. Als Residenz der askanischen Markgrafen und späterer Hauptsitz des Luxemburgers Karl IV. war die Stadt über Jahrzehnte hinweg das politische Machtzentrum der gesamten Region. Die Backsteinarchitektur der Altstadt prägte den Baustil der Mark maßgeblich mit.
Aktuelle Einwohnerzahl sowie Zahlen & Fakten
In der Einheitsgemeinde Tangermünde leben heute rund 10.200 Menschen. Die Stadt erstreckt sich über eine Fläche von etwa 90 Quadratkilometern auf einer Höhe von 43 Metern über dem Meeresspiegel. Die Postleitzahl lautet 39590, die telefonische Vorwahl ist die 039322.
Infrastruktur & Anreise
Tangermünde ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Über die Regionalbahnlinie RB33 besteht eine direkte Zugverbindung zum Bahnknotenpunkt Stendal, von wo aus Anschlüsse an den Fernverkehr nach Berlin und Hannover führen. Autofahrer erreichen die Stadt über die Bundesstraße 188, die über die Elbe führt, sowie die nahegelegene Bundesstraße 107. Radwanderer nutzen den Elberadweg, der direkt an den historischen Stadtmauern entlangführt.

Arbeit, Familie & Alltag
Die Wirtschaft Tangermündes ist durch den Tourismus, das Nahrungsmittelgewerbe, den Maschinenbau sowie das lokale Handwerk geprägt. Die Stadt verfügt über mehrere Kindertagesstätten, Grundschulen und eine Sekundarschule. Für den täglichen Bedarf stehen Supermärkte, kleine Fachgeschäfte in der Innenstadt und medizinische Versorgungsangebote durch Haus- und Fachärzte zur Verfügung. Viele Bewohner pendeln zur Arbeit im benachbarten Stendal.
Natur, Badeseen & Wanderwege
Die Landschaft um Tangermünde gehört zum Biosphärenreservat Mittelelbe. Feuchtwiesen, alte Eichenbestände und weitläufige Elbauen prägen das Umland. Wanderer und Radfahrer nutzen den Elbedeich für Touren entlang des Stroms. In den Auenlandschaften beobachten Naturfreunde Seeadler, Störche und Biber. Der nahegelegene Neustädter See bei Stendal sowie Flussbadeplätze an der Elbe bieten im Sommer Erfrischung. Der Wind trägt in den Abendstunden den herben Geruch von Elbwasser und feuchtem Gras in die Gassen.
Sehenswertes & Ausflugsziele
Das Stadtbild wird von der gewaltigen Backsteingotik dominiert. Das historische Rathaus aus dem 15. Jahrhundert mit seiner reich verzierten Schauwand gehört zu den bedeutendsten Profanbauten dieser Epoche. Die Burganlage mit dem Kapitelturm und der Kanzlei thront auf einem Hochufer über der Elbe. Die St. Stephanskirche beherbergt eine berühmte Orgel des Baumeisters Arp Schnitger sowie die höchste Kirchturmspitze der Altmark. Die fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit ihren Toren, wie dem Neustädter Tor und dem Elbtor, umschließt die Altstadt lückenlos.
Gastronomie-Empfehlungen
In den Gaststätten der Altstadt dominieren gutbürgerliche und märkisch-altmärkische Spezialitäten. Auf den Speisekarten finden sich Gerichte mit Elbfisch, Wild aus den umliegenden Wäldern sowie die altmärkische Hochzeitssuppe. Eine lokale Besonderheit ist das traditionelle Kuhschwanzbier, eine dunkle Bierspezialität, die in den brauenden Gaststätten der Stadt ausgeschenkt wird.
Das Restaurant Exempel ist zu empfehlen. Es befindet sich in einem aufwendig sanierten Gebäudeensemble direkt in der Altstadt. Die Küche bietet regionale Spezialitäten wie Elbfisch oder herzhafte Wildgerichte. Probiere unbedingt den Tangermünder Nährstangenkuchen als Dessert. Die Zecherei Sankt Nikolai ist ebenfalls eine Empfehlung wert. Dieses Restaurant befindet sich in einer alten, entweihten Kirche, womit das Ambiente kaum zu schlagen ist. Kulinarisch kann hier Waschbär probiert werden.
Jährliche Veranstaltungen & Feste
Jedes Jahr am zweiten Septemberwochenende feiert die Stadt das Tangermünder Burgfest, das Tausende Besucher in die historischen Gassen lockt. Kunsthandwerkermärkte, Mittelalterspektakel und Musikaufführungen prägen das Festwochenende. Im Dezember verwandelt sich die Altstadt während des Höfeweihnachts-Marktes in eine stimmungsvolle Kulisse, wenn private Innenhöfe ihre Pforten für Besucher öffnen.

Söhne und Töchter des Ortes
Zu den bekanntesten historischen Gestalten der Stadt gehört Grete Minde, die im frühen 17. Jahrhundert in Tangermünde lebte. Nach einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1617 wurde sie der Brandstiftung beschuldigt und 1619 hingerichtet. Dichter Theodor Fontane setzte ihr in seiner gleichnamigen Novelle ein literarisches Denkmal. Ein weiterer Sohn der Stadt ist der Historiker Friedrich Christoph Jonathan Fischer, der 1750 in Tangermünde geboren wurde.
Anekdoten und Geschichten
Die Geschichte um Grete Minde bewegt die Stadt bis heute. Nach einem Streit um ihr Erbe soll die junge Frau aus Rache das Feuer gelegt haben, das fast ganz Tangermünde in Schutt und Asche legte. Historiker bezweifeln die Schuld der Grete Minde heute stark und sehen in ihr das Opfer eines Justizirrtums der damaligen Zeit. Eine lebensgroße Bronzeplastik vor dem Rathaus erinnert an ihr Schicksal.
Mitbringsel und regionale Produkte
Ein Klassiker unter den Mitbringseln sind die Tangermünder Nährstangen, eine traditionelle Süßigkeit aus der ansässigen Chocolatier-Herstellung. Ebenfalls beliebt sind Flaschen des dunklen Kuhschwanzbiers sowie regionaler Honig aus den Elbauen und handwerklich gefertigte Töpferwaren aus den kleinen Werkstätten der Altstadt.
Kehrseiten & Nachteile
Die Lage direkt an der Elbe bringt bei extremen Wetterlagen das Risiko von Hochwasser mit sich, wenngleich moderne Schutzanlagen die Stadt heute sichern. Durch den Kopfsteinpflasterbelag in den historischen Gassen ist die Altstadt für gehbehinderte Menschen stellenweise schwer zugänglich. In den Wintermonaten abseits der Hauptsaison wirkt das Leben in den Straßen zudem manchmal sehr ruhig und das gastgewerbliche Angebot ist eingeschränkt.
Weitere Besonderheiten
Eine Besonderheit ist die hohe Dichte an Fachwerkhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die nach dem großen Brand von 1617 entstanden. Die hölzernen Schnitzereien an den Fassaden zeigen Schmuckformen der Renaissance und des Barock, die den schnellen Wiederaufbauwillen der Bürger nach der Katastrophe bezeugen.

