Impressionen Tangermünde

Stadtmauer von Tangermünde in der Altmark
Die strategisch günstig auf einer Hochfläche über der Elbe gelegene Burg Tangermünde wurde im Jahr 1009 erstmals urkundlich erwähnt und sicherte als eine der frühesten Befestigungen die damalige Ostgrenze des Reiches gegen die Slawen. Kaiser Karl IV. erwarb die Mark Brandenburg und baute die Anlage ab 1373 zur märkischen Hauptresidenz aus, die bis zu seinem Tod 1415 auch dem ersten Hohenzollern-Kurfürsten Friedrich I. als Machtzentrum diente. Zum Schutz des aufstrebenden Handelszentrums an der Elbe begann um 1300 der Bau der Stadtmauer; erste Fundamente bestanden aus Findlingen, bevor im 14. Jahrhundert der massive Ausbau mit märkischen Backsteinen folgte. Im Jahr 1640 belagerten und zerstörten schwedische Truppen die Hauptburg fast vollständig, woraufhin um 1700 auf den alten Fundamenten ein schlichteres kurfürstliches Amtshaus (das heutige Schloss) errichtet wurde. Die historische Stadtbefestigung von Tangermünde ist mit einer Gesamtlänge von rund 1,8 Kilometern und drei Stadttoren eine der am besten und vollständigsten erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern in ganz Norddeutschland.
Vierarm-Anker
Der vierarmige Anker steht als maritimes Denkmal an der Elbpromenade und erinnert an die jahrhundertelange Bedeutung Tangermündes als Handels- und Umschlagplatz der Binnenschifffahrt auf der Elbe. Die Stadt und ihre direkt hinter dem Anker liegende Burg galten im Mittelalter als die stärkste Festung im Osten der Mark Brandenburg, an der unter den askanischen Markgrafen wichtige Zölle für die Elbschifffahrt erhoben wurden. Der Anker befindet sich im direkten Blickfeld des 50 Meter hohen Kapitelturms. Direkt an der Mündung des Tangers in die Elbe gelegen, war der Hafen, an dessen heutiger Promenade das Denkmal steht, über Jahrhunderte der logistische Knotenpunkt, um Waren aus der Altmark in die Kerngebiete der Mark Brandenburg sowie in Richtung Nordsee zu transportieren. Während der Anker heute ein beliebtes Fotomotiv an der Elbpromenade ist, markiert sein Standort den Übergang von der von Krisen, Hochwassern und Industrialisierung geprägten Geschichte hin zur heutigen Denkmallandschaft der historischen Kaiser- und Hansestadt.
Elbtor
Das im 15. Jahrhundert errichtete Elbtor ist ein klassischer Wehr- und Torturm aus rotem Backstein. Mit seinen Zinnen und Zierblenden repräsentiert es den typischen wehrhaften Architekturstil, der unter den askanischen und späteren hohenzollernschen Landesherren die Städte der Mark Brandenburg prägte. Das Tor sicherte den Fuß einer rund 100 Meter langen, steilen Schlucht, der sogenannten Roßfurt. Dieser Hohlweg war bis ins 19. Jahrhundert hinein die einzige Verbindung für Pferdefuhrwerke und Händler, um vom Elbhafen hinauf in den Schutz der befestigten Altstadt zu gelangen. Tangermünde besaß eine fundamentale Bedeutung als Grenzfeste der Mark Brandenburg. Das Elbtor diente nicht nur der Verteidigung gegen Angreifer vom Fluss her, sondern kontrollierte direkt den Warenstrom und die Erhebung des lukrativen Elbzolls, einer der wichtigsten Einnahmequellen der märkischen Kurfürsten. Wenngleich der heutige Turm aus dem 15. Jahrhundert stammt, markiert die Stelle eine geschichtsträchtige Route: Genau an diesem Elbzugang ritt im Jahr 1373 Kaiser Karl IV. in die Stadt ein, um sich von den märkischen Ständen huldigen zu lassen und Tangermünde zeitweise zur kaiserlichen Nebenresidenz auszubauen. Da das Tor direkt an der Flussseite liegt, fungierte es über die Jahrhunderte als wichtiger Indikator für Naturkatastrophen. Direkt am Torbogen befindet sich eine historische Hochwasser-Messlatte, welche die extremsten Wasserstände der Elbe aus vergangenen Jahrhunderten dokumentiert und zeigt, wie die märkischen Bürger mit den Naturgewalten lebten.
Roßfurt, Brücke über die Roßfurt, im Hintergrund der Turm der St. Stephanskirche
Die gemauerte Bogenbrücke überspannt den tiefen Einschnitt der Roßfurt. Sie diente historisch dazu, die Wehrgänge der Stadtmauer und die höher gelegenen Stadtteile oberhalb des steilen Elbhangs miteinander zu verbinden. Der kopfsteingepflasterte Weg im Vordergrund war jahrhundertelang der einzige Elbzugang der Stadt. Hier quälten sich die mit Getreide, Holz und Tuch beladenen Pferdefuhrwerke vom Hafen hinauf zum Marktplatz der märkischen Handelsmetropole. Zum Schutz vor Angreifern, die vom Fluss her durch das Elbtor eindrangen, war die Roßfurt als leicht zu verteidigender Hohlweg angelegt. Flankiert von hohen Backstein-Futtermauern bot er den Verteidigern der Mark Brandenburg eine perfekte taktische Barriere, um Feinde von oben herab zu bekämpfen. Der im Hintergrund sichtbare, 87 Meter hohe Nordturm der St. Stephanskirche wurde im 15.Jahrhundert im Stil der norddeutschen Backsteingotik vollendet. Die gewaltige Kirche symbolisierte den Wohlstand der Tangermünder Bürgerschaft während ihrer Zugehörigkeit zur Hanse. Die im Bild sichtbare Holzkonstruktion dokumentiert die jüngere Geschichte und die aufwendigen Sanierungsmaßnahmen, um die historische Substanz und den mittelalterlichen Charakter des stadtbildprägenden Ensembles vor dem Verfall zu retten.
Historisches Fachwerkhaus
Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1617 dauerte der Wiederaufbau Generationen. Das im Jahr 1679 errichtete Gebäude zeigt den barocken Fachwerkhäusertyp, der nach dem Dreißigjährigen Krieg das Straßenbild der märkischen Städte prägte. Das reich geschnitzte, rundbogige Portal besitzt im Sturzbalken eine originale Inschrift. Sie nennt namentlich die Erbauer Paul Lüderitz und Cattrina Kahlmetters sowie das genaue Einzugsdatum, den 2. Juli 1679, mitsamt dem typisch christlichen Segensspruch. Trotz der wirtschaftlichen Krisen des 17.Jahrhunderts in der Mark Brandenburg zeugen die regelmäßige Symmetrie der Fensterachsen, die dekorativen Fußbänder und das repräsentative Dach mit Hechtgauben vom verbliebenen Wohlstand des Tangermünder Bürgertums. Die Architektur mit einem massiven Feldsteinsockel schützte das Holz vor Feuchtigkeit. Die Raumaufteilung war so konzipiert, dass sie Handwerk, Handel und oft auch landwirtschaftliche Nebennutzung unter einem Dach vereinte. Das denkmalgeschützte Gebäude wird heute als Ferienwohnung genutzt. Es dokumentiert mustergültig den Übergang von der mittelalterlichen Festungsstadt hin zur wohnlichen barocken Landstadt der Mark Brandenburg.
Historisches Rathaus von Tangermünde
Der älteste Teil, der Ostflügel mit seiner 24 Meter hohen Schauwand, wurde um 1430 errichtet. Die Wand diente der reinen Selbstdarstellung und dem architektonischen Stolz der wohlhabenden märkischen Bürgerschaft. Das Bauwerk wird dem einflussreichen spätgotischen Baumeister Hinrich Brunsberg zugeschrieben. Brunsberg prägte mit seinen filigranen Zierformen, Maßwerkrosetten und Formsteinen maßgeblich die Architektur im gesamten Raum der Mark Brandenburg und Pommerns. Um 1480 wurde der rechtwinklig angefügte Westflügel mit der offenen Gerichtslaube im Erdgeschoss und der darüberliegenden Ratsstube ergänzt. Hier wurde im Namen des märkischen Landesherrn nach dem Stadtrecht Gericht gehalten, heute dient der historische Raum als Trauzimmer. Das heute freistehende Rathaus war ursprünglich nur ein Erweiterungsbau des eigentlichen Haupt-Rathauses aus dem 14. Jahrhundert. Letzteres war vermutlich in Fachwerkbauweise errichtet und fiel dem verheerenden Stadtbrand von 1617 komplett zum Opfer, sodass nur der massive Backsteinbau die Katastrophe überstand. Unter den Arkaden der Gerichtslaube befindet sich das Denkmal für Grete Minde. Sie wurde 1619 fälschlicherweise als Brandstifterin des Stadtbrandes verurteilt und hingerichtet – eine tragische märkische Lokalgeschichte, die später von Theodor Fontane in seiner weltberühmten Novelle literarisch verewigt wurde.
Ehemalige Nikolaikirche
Das Gotteshaus wurde um 1200 als Feldsteinbau errichtet und war die ursprüngliche Pfarrkirche der kaufmännisch-gewerblichen Marktsiedlung, noch bevor sich daraus im 12./13.Jahrhundert die offizielle Stadt Tangermünde entwickelte. Die Kirche wurde St. Nikolai gewidmet, dem Schutzpatron der Schiffer und fahrenden Kaufleute, was die strategische Lage der Siedlung an der Kreuzung wichtiger Elb-Handelswege unterstreicht. Im späten 15.Jahrhundert erhielt der einschiffige Bau anstelle eines älteren Vorgängers seinen markanten, spätgotischen quadratischen Westturm aus Backstein, der direkt an das monumentale Neustädter Tor der Stadtmauer anschließt. Bereits im Zuge der Reformation wurde die Kirche im Jahr 1538 entweiht und verlor ihre Funktion. Danach diente das Gebäude jahrhundertelang profanen Zwecken, unter anderem als Krankenhaus, Lazarett, Garnisonsgefängnis, Wohnung und ab 1856 sogar als Spritzenhaus der Feuerwehr. Nach langem Leerstand im 20. Jahrhundert beherbergt das historische Kirchenschiff seit dem Jahr 2000 die mittelalterliche Gaststätte „Zecherei St. Nikolai“, in der Gäste inmitten der jahrhundertealten dicken Mauern speisen können.
Neustädter Tor
Die wehrhafte Toranlage gilt heute als eines der am besten erhaltenen und architektonisch anspruchsvollsten Stadttore des 13. bis 15.Jahrhunderts im gesamten Raum der Mark Brandenburg. Während der rechteckige Hauptturm bereits um 1300 aus Feld- und Backsteinen erbaut wurde, entstand der markante runde Vorturm erst um 1450 auf dem Höhepunkt der märkischen Blütezeit. Der runde Turm besticht durch seine aufwendigen, spätgotischen Schmuckelemente. Die Zinnenkränze und der Kleeblattfries im oberen Drittel dienten nicht nur der Verteidigung, sondern demonstrierten auch den enormen Reichtum der Handelsstadt. Als strategischer Kontrollpunkt regelte das Tor den Verkehr auf der mittelalterlichen Fernhandels- und Heerstraße. Diese verband die märkische Kernregion und Tangermünde direkt mit dem südlich gelegenen Erzbistum Magdeburg. Ende des 19.Jahrhunderts befand sich das Tor in einem kritischen Zustand. Die umfassende Restaurierung im Jahr 1897 wurde maßgeblich aus dem kaiserlichen Dispositionsfonds von Kaiser Wilhelm II. mitfinanziert, um die Denkmäler der märkischen Geschichte zu bewahren.
Ehemaliges Postamt
Das Backsteingebäude wurde im Jahr 1891 als Kaiserliches Postamt errichtet. Es dokumentiert den rasanten wirtschaftlichen und infrastrukturellen Aufschwung, den die märkischen Städte nach der deutschen Reichsgründung von 1871 erlebten. Die monumentale Fassade wurde im Stil der Neugotik ausgeführt. Mit ihren verzierten Staffelgiebeln, den gusseisernen Fensterbögen und dem Sandsteinbalkon zitiert sie bewusst die mittelalterliche Backsteingotik der historischen Mark Brandenburg, um Stärke und Tradition zu demonstrieren. Der Bau ersetzte kleinere, provisorische Poststuben und bündelte erstmals den modernen Brief-, Paket- und Telegrafenverkehr unter einem Dach. Damit wurde das Gebäude zum logistischen Herzstück für den Handel der Region mit den preußischen Kernprovinzen. Das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude bricht bewusst mit der ansonsten vorherrschenden, eher kleinteiligen Fachwerkarchitektur der Langen Straße. Es zeigt exemplarisch, wie das preußische Staatsbauwesen im späten 19.Jahrhundert moderne Akzente in gewachsene märkische Altstädte setzte. Nach der Privatisierung der Bundespost verlor das Haus seine ursprüngliche Funktion. Heute steht das sorgfältig sanierte Backsteinjuwel als historisches Wohn- und Geschäftshaus symbolisch für den gelungenen Denkmalschutz und die Bewahrung des preußisch-märkischen Erbes in der Altmark.
Nordseite des historischen Rathauses in Tangermünde mit seinem imposanten achteckigen Treppenturm und dem verzierten Backsteingiebel
Fachwerkhaus und historischer Stadtbrunnen
Das markante Eckgebäude an der Langen Straße wurde in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts nach dem großen Stadtbrand neu errichtet. Die regelmäßige Anordnung der Fensterachsen und das Krüppelwalmdach spiegeln die ordnungsliebende Architekturphase des barocken Wiederaufbaus in der Mark Brandenburg wider. Die Fassade zeigt die kunstvolle Zimmermannskunst der Region. Besonders auffällig sind die Andreaskreuze in den Eckgefach-Feldern des Obergeschosses, die sowohl der statischen Stabilisierung des Hauses dienten als auch den Wohlstand des märkischen Eigentümers repräsentierten. Der gepflasterte Platz mitsamt der mit Blumen und Rankgittern geschmückten Brunnenfassung markiert eine historisch überlebenswichtige Versorgungsstelle. Solche öffentlichen Brunnen waren in den märkischen Landstädten soziale Knotenpunkte und dienten gleichzeitig dem Brandschutz im dicht bebauten Stadtkern. Zusammen mit dem angrenzenden Fachwerkbau bildet die Szene eine geschlossene historische Straßenzeile. Sie blieb im Zweiten Weltkrieg unzerstört und dokumentiert heute musterhaft das bürgerliche Leben und Wohnen in den traditionsreichen Städten der Altmark.
St. Stephanskirche
Die mächtige Turmfront war ursprünglich als symmetrische Doppelturmanlage geplant. Während der Nordturm vollendet wurde, blieb der Südturm aus Geldmangel und wegen des wirtschaftlichen Wandels nach der Hansezeit unvollendet. Mit einer exakt vermessenen Höhe von 87,5 Metern ist der Nordturm bis heute der höchste Kirchturm der gesamten Altmark. Jahrhundertelang diente die weithin sichtbare Silhouette im flachen Elbtal den Schiffern und Händlern der Mark Brandenburg als Orientierung. Die barocke Turmhaube mitsamt der Laterne stammt aus dem Jahr 1714. Sie ersetzte den gotischen Vorgängerhelm, der knapp ein Jahrhundert zuvor beim verheerenden Tangermünder Stadtbrand von 1617 in das Kirchenschiff gestürzt war und die Glocken zerschmettert hatte. Die gotische Hallenkirche (Baubeginn ab ca. 1334) umschließt die Reste einer viel älteren Backsteinkirche aus der Zeit vor 1188. Einzelne romanische Fenster- und Mauerteile wurden beim gotischen Umbau geschickt integriert und zeugen von der frühen Phase der märkischen Christianisierung. Neben der gewaltigen Architektur beherbergt das Innere zwei historisch unschätzbare Kostbarkeiten: Eine weltberühmte Scherer-Orgel von 1624, die zu den wertvollsten Renaissance-Orgeln Norddeutschlands zählt, sowie die Reste einer seltenen mittelalterlichen astronomischen Uhr aus dem 15. Jahrhundert.
Eulenturm
Der rund 30 Meter hohe Eulenturm wurde um 1300 als massiver Wehrturm aus Backstein errichtet. Er war integraler Bestandteil der mittelalterlichen Stadtbefestigung und sicherte die Flanke zum angrenzenden Handwerker- und Fischerviertel Hünerdorf. Seinen Beinamen Gefängnisturm verdankt das Bauwerk seiner jahrhundertelangen Nutzung als städtisches Verlies. Im fensterlosen, dunklen Erdgeschoss wurden Gefangene untergebracht, die nur über ein sogenanntes Angstloch von der oberen Etage aus per Seil hinabgelassen werden konnten. Der Turm besitzt im oberen Drittel einen Wehrgang und einen vorspringenden Erker. Die schlanken, weiß verputzten Spitzbogenblenden sind typisch für die märkische Backsteingotik unter den askanischen Landesherren. Im Gegensatz zu den umliegenden Wohnhäusern überstand der Eulenturm aufgrund seiner enormen Mauerdicke den verheerenden Stadtbrand von 1617 fast schadlos. Er blieb als vertikaler Raumteiler inmitten der danach neu aufgebauten barocken Fachwerkzeilen erhalten. Nach dem Wegfall seiner militärischen Bedeutung im 19.Jahrhundert entging der Turm dem Abriss. Heute ist das sanierte märkische Baudenkmal als Aussichtsturm zugänglich und bietet einen weiten Blick über die Dächer der Altstadt bis hin zur Elbe.
Salzkirche
Das in der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts im Stil der norddeutschen Backsteingotik errichtete Gebäude wurde als Kapelle des Hospitals St.Elisabeth vor den Toren der Burganlage gegründet. Es diente der geistlichen Fürsorge für Kranke und Reisende. Beim Stadtbrand von 1617 wurde das direkt an die Südfassade grenzende Hospital komplett zerstört. Die robuste Backsteinkapelle überstand das Feuer zwar, verlor aber ihre ursprüngliche Funktion und stand über Jahrzehnte leer. Zu Beginn des 18.Jahrhunderts wurde der Sakralbau profaniert und in ein königliches Salzmagazin und Getreidelager umgewandelt. Diese jahrzehntelange Nutzung zur Einlagerung des damals extrem wertvollen weißen Goldes brachte dem Gebäude im Volksmund den bis heute gültigen Namen Salzkirche ein. Trotz der zwischenzeitlich rein wirtschaftlichen Nutzung besticht der Bau durch seinen kunstvoll gestalteten backsteinernen Schaugiebel. Die vertikalen Pfeilergliederungen und die spitzbogigen Zierblenden zitieren die repräsentative Architektur des nahegelegenen Rathauses und zeugen vom einstigen bürgerlichen Gestaltungswillen der Hansezeit. Im Jahr 1891 erwarb die neu gegründete katholische Gemeinde Tangermündes das Gebäude und nutzte es für gut drei Jahrzehnte erneut als Gotteshaus. Nach umfassenden Sanierungsarbeiten in den 1990er-Jahren fungiert die ehemalige Kapelle heute als vielseitig genutzter Konzert- und Ausstellungssaal der Stadt.
Historische Häuserzeile am Zollensteig
Der Name der Gasse leitet sich direkt von ihrer historischen Funktion ab. Der Zollensteig war der tägliche Dienstweg der städtischen Zollbeamten hinab zur Elbzollstelle, die bereits 1136 urkundlich erwähnt wurde und zu den wichtigsten Einnahmequellen der märkischen Landesherren gehörte. Das dreigeschossige Fachwerkhaus wurde kurz nach dem verheerenden Stadtbrand von 1617 errichtet. Es diente über Generationen hinweg märkischen Elbfischern als Wohnhaus und Winterquartier, wenn sie ihre Schuten vor dem Elbe-Treibeis schützen mussten. Die Häuserzeile dokumentiert den schrittweisen Wiederaufbau der märkischen Städte. Neben barocken Fachwerkbauten mit zeittypisch verputzten Gefachen fügen sich gründerzeitliche Klinkerbauten harmonisch in das gewachsene Straßenbild ein. Die meisten Gebäude am Zollensteig wurden traufständig zur Straße errichtet – das heißt, die Dachrinne verläuft parallel zur Fahrbahn. Diese Bauweise war in engen märkischen Gassen statisch vorteilhaft und erleichterte das kontrollierte Abfließen von Regenwasser auf das Kopfsteinpflaster. Der Zollensteig ist heute ein geschütztes Flächendenkmal. Die sorgfältig restaurierten historischen Fassaden mit ihren farbigen Portalen blieben im Zweiten Weltkrieg unversehrt und repräsentieren den Stolz sowie die reiche Handelsgeschichte der alten Kaiser- und Hansestadt in der Altmark.
Kapitelturm
Der im 14.Jahrhundert vollendete, rund 50 Meter hohe Kapitelturm war das Zentrum der kaiserlichen Schlossanlage. Nachdem Kaiser Karl IV. die Mark Brandenburg 1373 erworben hatte, baute er die bestehende Burg zu seiner prachtvollen märkischen Nebenresidenz aus. Der Turm ist ein Meisterwerk der Backsteingotik und besitzt im Fundament eine enorme Mauerdicke von bis zu drei Metern. Im oberen Drittel fällt der reich verzierte Wehrgang mit seinen Spitzbogenarkaden auf, der den kaiserlichen Wachen einen Rundumblick über die Elbe und das märkische Umland bot. Nach den Luxemburgern übernahmen die Hohenzollern die Mark Brandenburg. Im 15. und 16.Jahrhundert diente die Burg Tangermünde den brandenburgischen Kurfürsten als sichere Residenz, insbesondere wenn es in Berlin zu Aufständen oder Pestepidemien kam. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die stolze märkische Festungsanlage im Jahr 1640 von schwedischen Truppen fast vollständig zerstört und niedergebrannt. Der massive Backsteinturm trotzte den Sprengungsversuchen und blieb als markantester Zeuge der mittelalterlichen Kaiserpfalz auf dem Burgberg stehen. Nach Jahrhunderten des Verfalls entging der Turm im 19.Jahrhundert dem Abriss. Heute beherbergt das im Inneren sanierte märkische Baudenkmal eine historische Ausstellung und dient als Aussichtsturm, dessen goldener kaiserlicher Adler auf der Turmspitze weithin über die Elblandschaft grüßt.
Schlossturm
Der wuchtige, quadratische Backsteinturm wurde im 14.Jahrhundert errichtet. Er bildete die Nordostecke der Hauptburg und diente dem direkten Schutz der askanischen und späteren luxemburgischen Residenz über dem Elbhang. Unterhalb des hölzernen Wehrgangs befand sich im tiefen, fensterlosen Erdgeschoss das historische Burggefängnis. Gefangene der märkischen Landesherren wurden hier durch ein Loch in der Decke, das Angstloch, in die absolute Dunkelheit hinabgelassen. Der Turm besticht durch seinen Zinnenkranz im oberen Viertel. Diese Bauweise ist ein klassisches Element der märkischen Wehrarchitektur und erlaubte es den Verteidigern, Angreifer direkt am Turmfuß zu bekämpfen. Beim großen Schlossbrand durch schwedische Truppen im Jahr 1640 verlor der Turm sein ursprüngliches Dach. Das heute sichtbare, markante hohe Walmdach mitsamt den Ziergiebeln und Schornsteinen entstand bei einem Wiederaufbau im späten 19.Jahrhundert. Heute flankiert der weithin sichtbare Turm das im Jahr 1902 neu errichtete Schlossgebäude (das heutige Schlosshotel). Er steht als geschütztes Baudenkmal symbolisch für die wechselvolle Wehr- und Residenzgeschichte der Altmark.
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